Die Commerzbank möchte durch eine Neubewertung von Kreditausfallrisiken ihre Kernkapital erhöhen und hat damit eine Debatte ausgelöst. Allein durch die Verringerung der Verlustwahrscheinlichkeit ihrer Kredite will die Bank das Kernkapital um 1 Mrd. Euro aufstocken. Dieses Vorgehen, dass auch von anderen europäischen Konkurrenten praktiziert wird, ist rechtlich einwandfrei. Experten betrachten diese internen Ratings allerdings als fragwürdig.
Der Stresstest der EU-Bankenaufsicht EBA hatte bei der Commerzbank eine Lücke im Kernkapital von 5,3 Mrd. Euro aufgezeigt. Das Ziel der Commerzbank ist es die Vorgaben der EBA aus eigener Kraft umzusetzen und auf Hilfe vom Staat zu verzichten. Bislang hat sie bereits 3 Mrd. Euro erreicht. Die von der EBA geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent will man aber bis Ende Juni sogar übertreffen und das Eigenkapital auf 6,3 Mrd. Euro steigern. Wie das deutsche Institut in der vergangenen Wocher erläuterte, will man etwa 3,1 Mrd. Euro durch den Abbau der risikogewichteten Bilanz erreichen. Dabei setzt man sowohl auf Verkäufe der Vermögenswerte, die durch Eigenkapital zu unterlegen sind, als auch auf die Neubewertung von Risiken der Kreditausfälle.
Laut Konrad Becker, Analyst bei Merck Finck, sei diese Vorgehensweise formal korrekt, aber Außenstehende könnten nicht beurteilen, ob dies unter Risikoaspekten vertretbar sei. Doch Finanzvorstand Eric Strutz begründete die Änderungen an den Modellen so: zum einen habe sich die Datenqualität verbessert und außerdem seien die Risiken durch gestärkte Eigenkapitalquoten der mittelständische Unternehmen gesunken. So wurden unter anderem auch die bislang unberücksichtigten Kreditsicherheiten der ehemaligen Dresdner Bank-Kunden in die Datenbank aufgenommen. Die Dresdner Bank war 2008 aufgekauft worden.
Mit den vorgesehenen Maßnahmen ist die Commerzbank ist kein Einzelfall. Den Resultaten des Stresstests der EBA folgend, hatten etliche europäische Banken eine "Optimierung" ihrer Risikomodelle angekündigt, um so die Kapitallücke von insgesamt 109 Mrd. Euro zu verringern. Die Institute nutzen dabei den Spielraum, den die Vorschriften nach Basel II bieten.
So können Banken eigene Modelle für die Kalkulation der zu erwartenden Verluste im Kreditgeschäft verwenden. Die Ausfallwahrscheinlichkeit und die Verlustquote im Schadensfall kann anhand eigener Erfahrungen selbst bestimmt werden. Allerdings muss die jeweilige Aufsicht die Modelle und deren Änderungen genehmigen.
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sharewise_news am 25.01.2012, 16:59Die Aktie COMMERZBANK AG notiert in Frankfurt derzeit bei 1,404 €.
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| 19 Analysten | Ø 2,073 € | 7 | 7 | 5 |