Im Rahmen der Energiewende will die Bundesregierung in einer ersten Etappe bis 2020 Offshore-Windräder mit einer Leistung von 10.000 Megawatt ans Netz nehmen. Aber RWE hält dieses Ziel für nicht erreichbar, da notwendige Netzanschlüssen fehlen. Die Hochsee-Windräder sollen in Nord- und Ostsee gebaut werden. Sie brauchen, um an das Stromnetz angeschlossen zu werden, kilometerlange Kabel durchs Meer bis ans Festland. Dieser Anschluss sei aber in Verzug geraten. Der zukünftige Chef der RWE-Erneuerbaren-Sparte Innogy, Hans Bünting, meinte am Dienstag in Hamburg, dass die Pläne nicht mehr erreicht werden könnten. Die Verzögerungen beim Anschluss der Windparks schrecken zudem Investoren ab.
Die Ansage von Bünting ist ein Alarmsignal für die Bundesregierung. Um die Energiewende zu bewältigen, braucht sie Großinvestoren wie RWE. Der Energiekonzern ist derzeit der drittgrößte Investor für Offshore-Windparks in Europa. Daher hat er natürlich auch ein Eigeninteresse an dem Alarmismus. Schließlich dürfte eine unter Druck geratene Bundesregierung leichter Offshore-freundliche Entscheidungen treffen. Nach der ersten Etappe plant sie bis 2030 einen weiteren Ausbau der Hochsee-Windräder mit 25.000 Megawatt, um so die stillgelegten Atomkraftwerke zu ersetzen.
Aber der Ausbau, der jetzt eigentlich boomen müsste, ist ins Stocken geraten. 2010 wurden in Europa noch neue Windräder mit einer Gesamtleistung von 883 Megawatt gebaut, im Jahr darauf waren es nur noch 866 Megawatt. Dabei hoffen etliche Konzerne auf dieses Geschäft. So plant etwa Hochtief in Kooperation mit dem Finanzinvestor Ventizz Capital, den Windpark Nautilus II zu bauen.
Wird nicht schnellstmöglich eine Lösung für den Netzanschluss erreicht, sei der Markt tot, warnt Bünting. Ursache für das Problem ist das fehlende Geld beim zuständigen Netzbetreiber Tennet. Aber auch die Kabel- und Netztechnikhersteller kommen mit der Lieferung nicht hinterher. Die fehlende Planungssicherheit macht es unmöglich, Investitionsentscheidungen zu treffen, so Bünting. Offshore-Projekte haben aber eine lange Planungszeit und daher seien die Pläne bis 2020 nicht mehr realistisch.
Mit seinem ersten deutschen Offshore-Projekt, dem Windpark Nordsee Ost, hatte RWE bereits leidige Erfahrungen gemacht. Durch die Verzögerung des Netzanschlusses um ein Jahr entsteht dem Konzern ein Einnahmeausfall von 300 Mio. Euro. Gleichzeitig muss RWE beauftragte Zulieferer vertrösten. Eine Schadensersatzklage gegen den niederländische Netzbetreiber Tennet wird daher geprüft.
Foto von EssentNieuws, erstellt am 03.August.2011, bereitgestellt unter creative commons
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