Sharewise2

Sharewise

Sharewise > Foren > Ask Sharewise > Rettungsaktion - Strohfeuer oder Umschwung

Rettungsaktion - Strohfeuer oder Umschwung

Rettungsaktion - Strohfeuer oder Umschwung 19.09.2008, 13:56 Link zu diesem Beitrag

Hallo Sharewise-Experten,

mich würde mal interessieren, wie  man denn jetzt die aktuelle Rettungsaktion der US-Regierung werten soll?

Ist das, wie oft zu lesen ist, lediglich ein Strohfeuer oder doch der Anfang für einen nachhaltigen Umschwung?

 

 

De
Andreask
AndreasK
 
Rettungsplan umsetzbar? 19.09.2008, 14:38 Link zu diesem Beitrag

Hallo AndreasK,

danke für Deine Frage.

Ich denke bei den diversen Rettungs- und Stützungsaaktionen muss man differenzieren.

Zunächst haben bereits die Notenbanken massiv auf den Märkten interveniert. Kurzfristig hat es Priorität, dass sich die Marktteilnehmer sich untereinander wieder vertrauen und somit die Geldmärkte (insbesondere zwischen den Kreditinstituten) wieder belebt werden. Dies wird derzeit mit milliardenschweren Finanzspritzen der Notenbanken rund um den Globus versucht zu erreichen.

Der geplante US-Rettungsfond in Form einer Auffanggesellschaft wird als große Hoffnung für die Märkte verkauft. Geplant ist, dass die US-Regierung (in Kooperation mit der US-Notenbank) eine Auffanggesellschaft gründet und diese mit ca. 500 Mrd. US-$ (!!!!) ausstatten wird. Diese Gesellschaft soll dann den Banken widerum die fragwürdigen Papiere abkaufen. Auf diesem Weg sollen die Banken an mehr Liquidität gelangen und diese wiederum für die Refinanzierung nutzen können. Sicherlich ist ein solcher Entschluss gut gemeint und wirkt seit seiner Ankündigung auch positiv auf die weltweiten Kapitalmärkte, allerdings stellen sich mir dennoch viele Fragen bzgl. der Umsetzbarkeit dieses Rettungsplans:

1.)    Der Plan für den Auffangfonds sieht vor, dass sich die Banken von ihren Subprime-Papieren trennen können. Fraglich ist jedoch zu welchem Preis und werden sie sicher alle Papiere abgeben? Bekommen die Banken einen relativ hohen Preis für die Papiere so werden insbesondere die Banken mit der stärksten Subprime-Belastung am stärksten aufgefangen. Folglich also genau jene Institute, die die größten Risiken eingeganen sind und die ganze Krise aktiv herbeigeführt haben. Hier besteht also durchaus die Gefahr für die Zukunft falsche Anreize für die Risikopolitik der Banken zu setzen. Liegt der Verkaufspreis für die Subprimes zu niedrig, werden einige Institute mit geringerer Subprime-Belastung auf eine Normalisierung der Marktverhältnisse hoffen und ihre Papiere nicht verkaufen. Die Banken mit hoher Belastung würden durch die geringen Verkaufserlöse möglicherweise nicht gerettet und müssten dennoch Insolvenz anmelden. Der Informationsvorsprung, den die Banken haben, da sie den Inhalt der Subprimes wohl doch etwas besser kennen, als die Auffanggesellschaft, wird sich nur schwer abbauen lassen. Ein typisches Beispiel für eine "Adverse Selection"-Informationsasymmetrie, wie sie in vielen Bereichen der Wirtschaft existiert. Nicht zuletzt deshalb ist dies aktuell eines der größten Forschungsgebiete in der Volkswirtschaftslehre.
Fazit: Die Preisgestaltung für den Verkauf dürfte wohl mehr als schwierig werden. Ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für die praktische Umsetzung des Rettungsvorhabens

2.)    Der Umfang der Auffanggesellschaft wird mit ca. 500 Mrd. US-$ angegeben. Inwieweit die exakte Zahl momentan noch Gerüchten entspringt ist fraglich. Fest steht jedoch, dass die bisherigen Rettungsaktionen für Bear Stearns, Fannie Mae, Freddie Mac und AIG wohl nur einen Bruchteil dessen betragen dürften, was die geplante Rettungsaktion verschlingen würde. Insofern düfte eine Größenordnung von ca. 500 Mrd. US-$ nicht utopisch für ein solches Vorhaben sein. Somit ist die Größenordnung der Aktion durchaus nachvollziehbar, nicht jedoch deren Finanzierung. Bereits bei der Rettung von der zuvor genannten Institute regte sich Widerstand ob der Höhe der benötigten Steuermittel. Erschwerend für die Finanzierung dürfte dabei insbesondere der Wahlkampf in den USA bzw. die Periode des Amtsantritts des neuen Präsidenten werden. Sollte die aktuelle US-Regierung zusammen mit der Notenbank dieses Notfallpaket für die Banken schnüren, würde sie der kommenden Regierung eine erhebliche Last für die nächsten Jahre aufbürden. Sollten sich die Demokraten im Wahlkampf durchsetzen werden sie mit Sicherheit versuchen die Belastung für die kommenden Jahre möglichst gering zu halten und die Schuld für die Finanzkrise eindeutig der republikanischen Führung der letzten Jahre anheften. Aber auch bei einem republikanischen Wahlsieg darf meines Erachtens bezweifelt werden, ob die Rettungsaktion einen derart großen Umfang haben wird. Die Last dieser Auffanggesellschaft dürfte auch eine Regierung McCain belasten und sie deshalb in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken. Bei den Republikanern wird man also auch geteilter Meinung über diese Aktionspläne sein.
Fazit: Auch in diesem Bereich wird man bei der Umsetzung des Vorhabens einer Auffanggesellschaft dieser Größenordnung an die Grenzen des Machbaren stoßen.

Alles in Allem sollte man meiner Meinung nach durchaus skeptisch mit der Ankündigung dieser Rettungsaktion umgehen. Sollte sich abzeichnen, dass auch ein kommender US-Präsident den Rettungsplan mit diesem Umfang umsetzen will und auch die Regeln dieses Rettungspakets klar definiert sind, könnte sich die Lage an den Weltfinanzmärkten nachhaltig entspannen. Da sich dies in meinen Augen jedoch nicht abzeichnet, werte ich die aktuelle Gegenbewegung als technische Gegenreaktion oder bestenfalls als "Strohfeuer".

Würde mich jedoch auch interessieren, wie die anderen Sharewise-User die Ankündigung einschätzen!

Viele Grüße und gute Nerven in den kommenden Börsenwochen

ftp

De
Profilbild_bearbeitet-6
ftp
 
Re: Rettungsplan umsetzbar? 19.09.2008, 18:43 Link zu diesem Beitrag

Hallo AndreasK,
danke für Deine Frage.
Ich denke bei den diversen Rettungs- und Stützungsaaktionen muss man differenzieren.
Zunächst haben bereits die Notenbanken massiv auf den Märkten interveniert. Kurzfristig hat es Priorität, dass sich die Marktteilnehmer sich untereinander wieder vertrauen und somit die Geldmärkte (insbesondere zwischen den Kreditinstituten) wieder belebt werden. Dies wird derzeit mit milliardenschweren Finanzspritzen der Notenbanken rund um den Globus versucht zu erreichen.
Der geplante US-Rettungsfond in Form einer Auffanggesellschaft wird als große Hoffnung für die Märkte verkauft. Geplant ist, dass die US-Regierung (in Kooperation mit der US-Notenbank) eine Auffanggesellschaft gründet und diese mit ca. 500 Mrd. US-$ (!!!!) ausstatten wird. Diese Gesellschaft soll dann den Banken widerum die fragwürdigen Papiere abkaufen. Auf diesem Weg sollen die Banken an mehr Liquidität gelangen und diese wiederum für die Refinanzierung nutzen können. Sicherlich ist ein solcher Entschluss gut gemeint und wirkt seit seiner Ankündigung auch positiv auf die weltweiten Kapitalmärkte, allerdings stellen sich mir dennoch viele Fragen bzgl. der Umsetzbarkeit dieses Rettungsplans:
1.)    Der Plan für den Auffangfonds sieht vor, dass sich die Banken von ihren Subprime-Papieren trennen können. Fraglich ist jedoch zu welchem Preis und werden sie sicher alle Papiere abgeben? Bekommen die Banken einen relativ hohen Preis für die Papiere so werden insbesondere die Banken mit der stärksten Subprime-Belastung am stärksten aufgefangen. Folglich also genau jene Institute, die die größten Risiken eingeganen sind und die ganze Krise aktiv herbeigeführt haben. Hier besteht also durchaus die Gefahr für die Zukunft falsche Anreize für die Risikopolitik der Banken zu setzen. Liegt der Verkaufspreis für die Subprimes zu niedrig, werden einige Institute mit geringerer Subprime-Belastung auf eine Normalisierung der Marktverhältnisse hoffen und ihre Papiere nicht verkaufen. Die Banken mit hoher Belastung würden durch die geringen Verkaufserlöse möglicherweise nicht gerettet und müssten dennoch Insolvenz anmelden. Der Informationsvorsprung, den die Banken haben, da sie den Inhalt der Subprimes wohl doch etwas besser kennen, als die Auffanggesellschaft, wird sich nur schwer abbauen lassen. Ein typisches Beispiel für eine "Adverse Selection"-Informationsasymmetrie, wie sie in vielen Bereichen der Wirtschaft existiert. Nicht zuletzt deshalb ist dies aktuell eines der größten Forschungsgebiete in der Volkswirtschaftslehre. Fazit: Die Preisgestaltung für den Verkauf dürfte wohl mehr als schwierig werden. Ein nicht zu unterschätzendes Hindernis für die praktische Umsetzung des Rettungsvorhabens
2.)    Der Umfang der Auffanggesellschaft wird mit ca. 500 Mrd. US-$ angegeben. Inwieweit die exakte Zahl momentan noch Gerüchten entspringt ist fraglich. Fest steht jedoch, dass die bisherigen Rettungsaktionen für Bear Stearns, Fannie Mae, Freddie Mac und AIG wohl nur einen Bruchteil dessen betragen dürften, was die geplante Rettungsaktion verschlingen würde. Insofern düfte eine Größenordnung von ca. 500 Mrd. US-$ nicht utopisch für ein solches Vorhaben sein. Somit ist die Größenordnung der Aktion durchaus nachvollziehbar, nicht jedoch deren Finanzierung. Bereits bei der Rettung von der zuvor genannten Institute regte sich Widerstand ob der Höhe der benötigten Steuermittel. Erschwerend für die Finanzierung dürfte dabei insbesondere der Wahlkampf in den USA bzw. die Periode des Amtsantritts des neuen Präsidenten werden. Sollte die aktuelle US-Regierung zusammen mit der Notenbank dieses Notfallpaket für die Banken schnüren, würde sie der kommenden Regierung eine erhebliche Last für die nächsten Jahre aufbürden. Sollten sich die Demokraten im Wahlkampf durchsetzen werden sie mit Sicherheit versuchen die Belastung für die kommenden Jahre möglichst gering zu halten und die Schuld für die Finanzkrise eindeutig der republikanischen Führung der letzten Jahre anheften. Aber auch bei einem republikanischen Wahlsieg darf meines Erachtens bezweifelt werden, ob die Rettungsaktion einen derart großen Umfang haben wird. Die Last dieser Auffanggesellschaft dürfte auch eine Regierung McCain belasten und sie deshalb in ihrer Handlungsfähigkeit einschränken. Bei den Republikanern wird man also auch geteilter Meinung über diese Aktionspläne sein. Fazit: Auch in diesem Bereich wird man bei der Umsetzung des Vorhabens einer Auffanggesellschaft dieser Größenordnung an die Grenzen des Machbaren stoßen.
Alles in Allem sollte man meiner Meinung nach durchaus skeptisch mit der Ankündigung dieser Rettungsaktion umgehen. Sollte sich abzeichnen, dass auch ein kommender US-Präsident den Rettungsplan mit diesem Umfang umsetzen will und auch die Regeln dieses Rettungspakets klar definiert sind, könnte sich die Lage an den Weltfinanzmärkten nachhaltig entspannen. Da sich dies in meinen Augen jedoch nicht abzeichnet, werte ich die aktuelle Gegenbewegung als technische Gegenreaktion oder bestenfalls als "Strohfeuer".
Würde mich jedoch auch interessieren, wie die anderen Sharewise-User die Ankündigung einschätzen!
Viele Grüße und gute Nerven in den kommenden Börsenwochen
ftp

Hallo!

Es ist eigentlich ganz einfach: Kommt der Rettungsplan wirklich so, dann ist das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit das Ende der Finanzkrise. Die Frage ist halt nur, ob der Rettungsplan wirklich kommt. Ich habe mal versucht die derzeitige Situation ausführlich zu analysieren, siehe hier: Der Anfang vom Ende (der Finanzkrise)

Gruß, Sascha!

De
Saschasw1
HuberSascha
 
 
Sie können nur als Mitglied Beiträge schreiben