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Der Anfang vom Ende (der Finanzkrise)

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Saschasw1
HuberSascha am 19.09.2008, 18:19
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Wie die meisten von ihnen, liebe Leser und Leserinnen, sicherlich wissen, war ich trotz der Finanzkrise immer sehr bullish dem Aktienmarkt gegenüber eingestellt. So hoffte ich auch bis zuletzt, dass wir beim DAX die Bildung eines Doppelboden im Bereich 6.000 Punkte hinbekommen. Aufgrund der Ereignisse der letzten Tage und Wochen hat dies zwar leider nicht ganz geklappt, aber - und das sollte man beachten - der DAX ist auch nicht wirklich nachhaltig unter diese 6.000 Punkte Marke gefallen. Und mit dem Rettungsplan der US-Regierung für die Finanzbranche ist für mich die Finanzkrise nun mehr oder weniger zu Ende. Das die Märkte dies ähnlich sehen, können sie an den wirklich gigantischen Kurssprüngen in nahezu alle wichtigen Aktienindizes seit gestern Abend erkennen. Im Folgenden möchte ich aber nun auch genauer darlegen, warum mit dem neuen Rettungsplan der US-Regierung die Finanzkrise faktisch beendet werden wird und wer die Gewinner aber auch die Verlierer dieser Krise sind bzw. sein werden.

Der Bankensektor in den USA

Beginnen möchte ich meine Analyse mit einem Blick auf die amerikanischen Banken. Hier ist festzustellen, dass mehr oder weniger alle fünf großen amerikanischen Investmentbanken ein im Kern gesundes Geschäftsmodell hatten und haben. Nur leider sind ebenso nahezu alle amerikanischen Investmentbanken in eine große Falle getappt, nämlich den lange Zeit boomenden amerikanischen Immobilienmarkt. Als nun vor etwas mehr als einem Jahr die große Krise an eben diesem amerikanischen Immobilienmarkt begann, gerieten die Banken aufgrund etlicher fauler Kredite unter Druck. Doch selbst dies wäre noch lösbar gewesen, wenn man rechtzeitig reagiert und Kapitalerhöhungen durchgeführt hätte. Doch die Banken verspekulierten sich erneut, dachten an eine eher vorübergehende Krise und konnten dann am Ende, siehe Lehman Brothers, aufgrund massiv eingebrochener Aktienkurse sowie eines total verlorengegangenen Vertrauens, eben nicht mehr reagieren. Und leider bekamen sie auch nicht rechtzeitig die Hilfe der amerikanischen Regierung, was jedoch abzusehen gewesen wäre. Doch dazu später mehr!

Der Rettungsplan der US-Regierung - warum erst jetzt?

Zunächst einmal möchte ich nämlich auf den nun bekanntgewordenen Rettungsplan der US-Regierung eingehen. Soweit bisher bekannt ist, will der amerikanische Staat quasi eine "Bad Bank" gründen, in der alle Banken ihre faulen Kredite loswerden können. Damit wird quasi jegliches Risiko von den Banken auf den Staat übertragen und diese können und werden sich nun zukünftig auf ihr - wie gesagt - gesundes Kerngeschäft fokussieren. Und dieses ist ja, wie eben schon beschrieben, durchaus gesund!

Auf jeden Fall wären sowohl Bear Stearns als auch Merrill Lynch als auch Lehman Brothers bei einem rechtzeitigen Eingreifen des Staates, wie es nun plötzlich möglich ist, zu retten gewesen. Daher stellt sich mir nun natürlich die Frage, warum der Staat erst jetzt mit einer solchen Auffanglösung kommt. Und die Antwort auf diese Frage ist eigentlich ganz einfach! Denn es gibt einen Hauptgewinner der Krise, die nun mindestens 3 der ehemals 5 großen Investmentbanken das Leben gekostet hat (evtl. sogar vier, denn bei Morgan Stanley gibt es ja auch Gerüchte über einen bevorstehenden Zusammenschluss, z.B. mit Wachovia) und das ist die Nummer 1 dieses Sektors: Goldman Sachs!

Der Hauptgewinner der Krise ist nun: Goldman Sachs!

Denn die größte amerikanische Investmentbank Goldman Sachs hat zukünftig im Worst Case mit Morgan Stanley nur noch einen einzigen Konkurrenten anstatt zuvor vier. Und jetzt schauen wir uns mal die US-Regierung an und es wird auch schnell klar, warum die US-Regierung mit diesem Rettungsplan solange gewartet hat. Denn da haben wir einmal den eher im Ölgeschäft verwurzelten und kurz vor dem Ende seiner Amtszeit stehenden schwachen Präsidenten George W. Bush. Dieser ist ein Anhänger der Theorie der absolut freien Märkte, des sogenannten "Laissez faire!" (frei übersetzt auf deutsch: "Der Markt wird es schon richten!"). Und daneben haben wir dann den US-Finanzminister, Henry "Hank" Paulson. Und nun raten sie mal, liebe Leser und Leserinnen, wo dieser Mann vorher tätig war? Richtig, er war bis ins Jahr 2006 der Vorstandschef (CEO) von Goldman Sachs.

Daher ist aus meiner Sicht zu vermuten, dass Henry Paulson seinem Parteifreund George W. Bush solange in seiner "Laissez faire"-Politik unterstützt hat, bis eben das für Goldman Sachs bestmögliche Ergebnis der Finanzkrise am Ende feststand. Und schaut man auf das Timing der Bekanntgabe der Rettungspläne, so passt das ebenfalls sehr gut, denn just in den letzten beiden Tagen geriet zuletzt auch die Aktie von Goldman Sachs unter Druck, so das zu befürchten stand das es womöglich auch noch die Nummer 1 erwischen könnte, wenn hier nicht eingegriffen wird...

Weitere langfristige Gewinner und Verlierer der Krise

Wer aber ist nun Gewinner und wer ein Verlierer dieser Krise? Nun, die Verlierer sind relativ leicht zu benennen! Zum Einen natürlich als Hauptverlierer die pleitegegangene ehemalige Nummer 4, Lehman Brothers. Denn diese wird sich nun wohl endgültig in Luft auflösen. Daneben natürlich auch die von JP Morgan für "en Appel und en Ei" aufgekaufte ehemalige Nummer 5 der Branche, Bear Stearns. Und natürlich auch die bei der Bank of America untergekommene ehemalige Nummer 3, Merrill Lynch. Und auch der Versicherungsriese American International Group AIG, der bis zuletzt um einen Milliardenkredit betteln musste und ihn erst nach einer Quasi-Verstaatlichung bekam, gehört sicher eher zu den Verlierern.

Und wer sind nun die Gewinner? Nun, da ist zum Einen natürlich die zukünftig nahezu konkurrenzlose Nummer 1 unter den amerikanischen Investmentbanken, Goldman Sachs, zu nennen. Aber auch JP Morgan, die Bear Stearns für wenig Geld aufkaufen konnten, gehört sicher dazu. Und auch die Bank of America, die sich im Zuge der Krise einerseits die ehemalige Nummer 1 der Immobilienfinanzierer, Countrywide Financial sowie die ehemalige Nummer 3 unter den amerikanischen Investmentbanken, Merrill Lynch günstig einverleiben konnten, ist sicher ein absoluter Krisengewinner. Zumal bei diesen Übernahmen aufgrund der Krise überhaupt nicht mehr das Kartellrecht beachtet wurde, da man ja um jeden Preis die unmittelbar bevorstehende Pleite verhindern musste.

Darüber hinaus gehören sicherlich auch kleinere aber gesunde Banken wie Wells Fargo sowie einige amerikanische Versicherer wie Aflac zu den Gewinnern der Krise. Aber auch in Europa gibt es durchaus Gewinner der Krise. So z.B. die deutschen Versicherungskonzerne Allianz und Münchner Rück sowie die gesunden deutschen Banken wie etwa die Commerzbank oder auch die Deutsche Bank. Und auch die Schweizer Großbank Credit Suisse (im Gegensatz z.B. zur UBS) gehört sicherlich mit zu den Gewinnern.

Über allem aber strahlen mit Sicherheit JP Morgan (mit Bear Stearns), die Bank of America (mit Countrywide Financial und Merrill Lynch) sowie eben Goldman Sachs.

Wie sich Anleger nun verhalten sollten um von der Krise zu profitieren

Nun, es ist im Prinzip ganz einfach. Mit dem neuen Rettungsplan der US-Regierung ist die Krise de facto beendet. Denn die faulen Kredite wird der Staat in einer "Bad Bank" gebündelt übernehmen. Damit wird die Verschuldung der USA in wahrhaft dramatische Höhen steigen, aber das Finanzsystem ist gerettet. Ich hoffe, dass wenigstens die Regeln für die Finanzbranche etwas verschärft werden damit so eine Krise nicht bald wieder auf uns zukommt. Denn diese Gefahr ist real, zumal die Banken nun ja darauf vertrauen könnten das im Notfall aber wieder der Staat einräumt.

Doch dies ist zwar eine reale, aber nach dem aktuellen Schock eher langfristige Gefahr. Kurz- und mittelfristig, d.h. auf Sicht der nächsten 3, 4 oder 5 Jahre, wird es wohl kaum mehr eine Krise solchen Ausmaßes geben. Daher haben wir aktuell eine wirklich gute Einstiegschance. Nicht unbedingt in die Euphorie heute, aber durchaus dann, wenn die Märkte in den nächsten Tagen auch mal wieder Gewinnmitnahmen sehen. Denn schauen wir mal zurück auf die Entwicklungen in den USA nach der damals ähnlich gelösten "Savings and Loan" Krise - von 1989 bis 1995 stieg der Dow Jones, trotz der Rezession aufgrund dieser Krise Anfang der 90er Jahre, von etwa 2200 Punke auf etwa 5100 Punkte, also um mehr als 130%. Um sich dann mit dem langsam einsetzenden Internetboom ab 1995 und trotz der LTCM sowie der Asienkrise in 1997/1998 nochmals mehr als zu verdoppeln.

Im Klartext: Die Verlierer der Krise sind nun aufgekauft oder insolvent, die Gewinner der Krise werden gestärkt aus ihr hervorgehen. Natürlich sehen wir jetzt nich dauerhaft 4% plus im Dow oder DAX und kurzfristig wird es durchaus noch sehr volatil bleiben. Aber mittelfristig, d.h. auf Sicht von sagen wir mal 2 Jahren, werden sich die Gewinneraktien im Kurs wohl deutlich verteuern. Wer also als Anleger jetzt in den nächsten Tagen - am Besten natürlich an einem sehr schwachen Tag - bei solchen Aktien wie der Allianz, der Bank of America, der Commerzbank, der Credit Suisse, der Deutschen Bank, Goldman Sachs, JP Morgan, der Münchener Rück oder auch Wells Fargo zugreift, wird m.E. auf Sicht von maximal 2 Jahren hohe und steuerfreie Gewinne einfahren können. Es hat, dank der Verbindung von Henry Paulson zu Goldman Sachs lange, vielleicht sogar etwas zu lange gedauert, bis endlich ein Rettungsplan auf dem Tisch gelegen hat, aber nun ist er da. Und damit der Anfang vom Ende der Krise gemacht...

Einziges verbleibendes Risiko dabei...

Das einzige Risiko, das einer Rallye am Aktienmarkt derzeit noch entgegen stehen könnte, ist das der Rettungsplan der US-Regierung nun doch nicht umgesetzt wird. Dabei gibt es durchaus Gründe, die für eine Umsetzung sprechen als auch Gründe dagegen. Der Hauptgrund gegen eine Umsetzung ist der derzeit laufende Wahlkampf. Denn wie bereits eben angesprochen, würde die ohnehin hohe Staatsverschuldung der USA durch den Rettungsplan noch weiter steigen. Damit würde der nächste Präsident in seiner Handlungsfreiheit eingeschränkt und daran dürften insbesondere die Demokraten kein Interesse haben.

Allerdings spricht auch einiges dafür, dass der Plan umgesetzt wird, denn der Rettungsplan soll u.a. in Zusammenarbeit mit dem Senat ausgearbeitet werden und hier haben die Demokraten derzeit die Mehrheit. Und warum sollten am Ende die Demokraten gegen einen Rettungsplan sein, denn sie selbst mit ausgearbeitet haben?

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Kommentare

Basti

20.09.2008, 02:09 

Hi Sascha,


dein Wort in Gottes Ohr. Ich weiss nicht so recht ob das schon alles so vorbei ist. Schön wärs ja, aber so manche Bank überweist momentan auch nichtmal mehr Geld an Goldman Sachs die ja angeblich so gut dastehen. Da ist so unglaublich viel Irrationalität drin grad.


Ich denke wir werden noch viele weitere Abschreibungen sehen ob die schon im Markt eingepreist sind kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen. Ob da nicht noch weiteres Ungemach droht?


Selbstverständlich habe ich keine Einblicke in die genauen Abläufe des US Finansystems und die Entscheidungen der US Regierungen. Allerdings denke ich nicht, dass die Regierung hätte früher reagieren sollen, denn letztlich sollte der Markt doch mit seinen selbstgeschaffenen Problemen auch selbst fertig werden. Nur wenn das nicht mehr möglich scheint halt ich ein Eingreifen für richtig.

HuberSascha

20.09.2008, 12:27 

Hallo Basti,


das ist ja aber gerade der "Trick" dieses Rettungsplans. Derzeit gibt es so gut wie kein Vertrauen, weil jeder Angst hat, dass es die andere Bank - und sei es Goldman Sachs - doch noch treffen könnte. Wenn aber der Staat alle faulen Kredite übernimmt, wird diese Angst nicht mehr existent sein. Denn die faulen Kredite schlummern ja eben nicht mehr in der Bilanz. Daher ist aus Sicht der Märkte der Plan, so wie er bisher vorliegt, nahezu das Beste was man überhaupt tun kann. Einziger Kritikpunkt von mir: Warum kommt man erst jetzt mit einem solchen Plan? Die Antwort darauf habe ich versucht zu geben! Und zu sagen es ist richtig möglichst lange zu warten, kann ich hier nicht nachvollziehen. Warum rettet man mit diesem Plan jetzt quasi die verbliebenen Banken à la Goldman Sachs, nachdem man zuvor kein großes Interesse an einer Rettung z.B. von Lehman Brothers hatte?


Ansonsten gibt es natürlich, siehe den letzten Absatz, noch ein Risiko. Hier sind Politiker am Werk und daher ist es natürlich möglich, dass der bisher angekündigte Rettungsplan doch nicht so kommt oder vielleicht auch gar nicht kommt. Das wäre natürlich das Schlimmste, was passieren könnte und das Vertrauen der Märkte wäre sofort wieder weg. Allerdings auch das Vertrauen in die Politik (aller Couleur) und daher glaube ich schon, dass der Rettungsplan am Ende umgesetzt wird. Vielleicht nicht ganz 1:1, aber doch im Großen und Ganzen wie vorgelegt.


Und was die Kritik mancher angeht, der Sozialismus sei nun in den USA angekommen. Das kann man durchaus so sehen, aber man muss zwei Dinge beachten:


1.) Würde man den Markt das Ganze alleine regeln lassen, gäbe es am Ende verbrannte Erde. Wir hätten eine Situation wie 1929 mit extrem hoher Arbeitslosigkeit und Massenarmut. Dies könnte sogar das politische System destabilisieren und das kann auch keiner wirklich wollen!


2.) In erster Linie sind natürlich die Banken an der Krise Schuld, weil diese zu leichtfertig Kredite vergeben haben. Aber auch der "Steuerzahler" ist ja nicht ganz unschuldig, denn die sogenannten "kleinen Leute" haben ja im Vertrauen auf immer weiter steigende Immobilienpreise die Kredite auch angefragt. Zudem höre ich in Deutschland (zu Recht!) oft die Kritik, dass die Banken hier viel zu restriktiv in der Kreditvergabe seien. In den USA sehen wir aber gerade, was bei allzu leichtfertiger Vergabe von Krediten am Ende passieren kann.


Fazit: Die deutschen Banken sind sicherlich zum Teil zu restriktiv in der Kreditvergabe, die amerikanischen Banken aber waren zu großen Teilen viel zu leichtfertig. Hier einen Mittelweg zu finden, wäre die Aufgabe. Denn das Eine ist nahezu so schlecht wie das Andere. Vergibt man die Kredite zu restriktiv, würgt man ein mögliches Wirtschaftswachstum von vornherein ab. Ist man aber zu leichtfertig, so bricht das Kartenhaus am Ende ebenfalls zusammen, siehe die USA!


Gruß, Sascha!

ftp

20.09.2008, 16:05 

Hallo Sascha,


interessante Ansicht, die Du da vertrittst. Insbesondere die Goldman-Verbindungen sind natürlich haarsträubend. Zentrales Thema derzeit ist jedoch der geplante Rettungsfonds und nicht die Goldman-Spezlwirtschaft. Ich habe mich in der Rubrik "Ask-Sharewise" auch ausführlich über die geplante Auffanggesellschaft geäußert. Hier mal kurz eine Zusammenfassung meiner Bedenken:


1.) Mir erscheint v.a. die Preisfindung beim Übertrag der Wertpapiere von den Banken zur Auffanggesellschaft schwierig.


2.) Die in Kürze stattfindenden Wahlen und der politische Prozess, den die Gründung und Kapitalausstattung dieser Auffanggesellschaft durchlaufen muss, sollten die Umsetzung des Rettungsplans verzögern oder sogar unmöglich machen.


Nähere Erläuterungen der genannten Punkte im o.a. Artikel. Würde mich interessieren wie andere Sharewise-User insbesondere über den ersten Punkte denken.

HuberSascha

20.09.2008, 19:35 (Update)

Hallo ftp,


habe das bei "Ask Sharewise" schon gelesen, antworte jetzt aber mal hier damit die Diskussion an einer Stelle bleibt, okay? Also dann!


1.) Soweit bisher bekannt wurde, will man einen fairen Preis durch eine Auktion, genauer gesagt eine Rückwärtsauktion, bestimmen lassen. Wie das genau aussehen wird, muss man abwarten, aber ich halte eine solche Lösung nicht für ganz schlecht, da so die Preise von einem Markt bestimmt und nicht einfach festgelegt werden.


2.) Soweit bisher bekannt wurde, unterstützen Politiker aller Parteien das Rettungspaket. Selbst Barack Obama, also der Präsidentschaftskandidat der Demokraten, hat sich positiv dazu geäußert, wenngleich er betonte, dass nicht nur den Unternehmen geholfen werden dürfe, sondern auch den Menschen.


Zudem muss man, was die Finanzierung angeht, auch mal die Kirche im Dorf lassen. Nach neuesten Meldungen will die Regierung bis zu 700 Mrd. US$ innerhalb von 2 Jahren aufwenden. Dies mag eine gigantische Summe sein, aber sie relativiert sich vor dem Hintergrund, was die USA für militärische Zwecke und besonders den Krieg im Irak bisher schon ausgegeben haben. So will Obama ja einen Abzug aus dem Irak einleiten, was dann zu Einsparungen führen dürfte. Und auch im Verteidigungshaushalt kann man sicher die ein oder andere Milliarde einsparen. Last but not least aber hat der amtierende Präsident George W. Bush in seiner Amtszeit gerade die Steuern der Großverdiener und der Unternehmen massiv reduziert. Und zwar soweit, dass selbst ein Mann wie Warren Buffett das schon seit Jahren kritisiert. Daher gibt es durchaus auch die Option, die Steuern hier ein wenig anzuheben. Das muss ja nicht gleich deutsche Ausmaße wie unter Merkel annehmen, aber ich denke mal die amerikanische Wirtschaft wird nicht gleich zusammenbrechen, wenn die Unternehmenssteuern eben um 2%, 3% oder gar 5% angehoben werden. Zumal die Unternehmen ja durchaus auch ein Interesse daran haben dürften, dass die Regierung den Finanzsektor stabilisiert, denn ohne ein funktionierendes Banken- bzw. Finanzsystem würde ja auch die übrige Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen. Oder wie will man noch expandieren, wenn keine Bank mehr Kredite zur Verfügung stellt? Und wie will man expandieren, wenn wegen der Krise die Verbraucher reihenweise auf der Straße sitzen und daher der für die amerikanische Wirtschaft so eminent wichtige private Konsum komplett wegbricht?


Von daher sehe ich es weit weniger kritisch, wenn sich die USA jetzt zur Lösung dieser Krise hoch verschulden, als wenn man hier gar nichts tun würde! Wie gesagt: Der Markt würde es durchaus auch selbst regeln, aber dann stünde am Ende der Krise mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Massenarbeitslosigkeit und Massenarmut und evtl. sogar ein vollkommen destabilisiertes politisches System (in Deutschland war Hitler nur möglich, weil es damals hier eben genau dies gab, wobei noch zu beachten wäre, dass Hitler ja trotz der Krise nie eine demokratische Mehrheit hinter sich bringen konnte). Und das kann auch niemand wollen.


Um es kurz zu machen. Ich bin mit Sicherheit kein Anhänger des Sozialismus, aber spätestens seit dieser Krise auch kein Anhänger mehr eines absolut freien Marktes. Und selbst George W. Bush, der es ja lange Zeit mit "Laissez faire" probiert hat, musste nun letzten Endes erkennen das dies doch keine Option ist. Von daher habe ich meine Meinung diesbzgl. etwas geändert und liege jetzt eher auf der Linie von Herrn Heibel, der ein staatliches Eingreifen in dieser Krise schon vor mir gefordert hat. Dies gebe ich unumwunden zu, denn m.E. ist eine rechtzeitige Einsicht besser als wenn man starr an einer falschen Haltung festhält. Zumal gerade die Korrektur von Fehleinschätzungen einer der Gründe für den Erfolg von Microsoft war und ist (so hielt Bill Gates das Internet ja Anfang der 90er noch für eine "technische Spielerei, die sich nicht durchsetzen wird, weil es zu unproduktiv ist", korrigierte später aber seine falsche Einschätzung und verdrängte - wenn auch mit durchaus fragwürdigen Methoden - letztendlich dann sogar Netscape komplett vom Markt).


Gruß, Sascha!

HuberSascha

22.09.2008, 18:41 

Hallo!


Ich habe eine interessante und sich weitestgehend mit meiner Ansicht deckenden Artikel von Herrn Niquet im Internet gefunden. Ich stelle ihn mal hier ein...


 



Tolle Amis!


Montag, 22. September 2008 um 16:33



Von Bernd Niquet


So einen Börsentag wie den vergangenen Freitag habe ich in meiner mehr als dreißigjährigen Börsengeschichte noch nicht erlebt: Commerzbank plus 20 Prozent, Deutsche Bank plus 15 Prozent, der Dax plus 5,5 Prozent und der Dow in zwei Tagen mehr als 8 Prozent im Plus.


Und wer am Freitag sowohl die „Tagesschau“ als auch das US-Fernsehen gesehen hat, wird sehr gestaunt haben. Bei uns sind die Hauptschlagzeilen die KfW und das larmoyante Politikergezerre, wohingegen in den USA sich alles um den großen Wurf der Politik dreht. Hier wird ein großer Staatsfonds aufgelegt, um die illiquiden Immobilienpapiere aufzunehmen und die Banken mit Bargeld zu versorgen.


Die Politik hat in den USA gezeigt, dass sie handlungsfähig ist. Und die westliche Führungsmacht hat erneut demonstriert, dass sie und warum sie Führungsmacht ist. Hier wird nicht kleinkariert geredet wie bei uns, hier werden Panzer aufgefahren und gehandelt. Und es sieht gar nicht dumm aus, was die USA da vorhaben.


Wenn die Pest ausbricht, kann man die Patienten nicht mehr an den Hausarzt verweisen. Aber bei uns würde nicht einmal im Fall des nationalen Notstands das Apothekenmonopol fallen. Die USA schicken hingegen die Truppen los. Und das ist gut so und auch richtig so.


Die Stimmen hierzulande erinnern an Oskar Lafontaine vor der Deutschen Vereinigung. Den Vogel schießt der Fondsmanager Martin Siegel ab. Unter der Überschrift „Währungsreform am Wochenende“ schrieb er: „Wichtig ist, dass Sie jetzt den Zugriff auf eine kleine Menge an Edelmetallen haben. Zudem sollten Sie sich um einen gewissen Bargeldbestand kümmern, um in den nächsten Tagen liquide zu sein. Falls Sie noch über irgendwelche Zertifikate verfügen, sollten diese sofort liquidiert werden. Sie könnten bereits am Montag wertlos sein.“ Das ist ganz exemplarisch das Denken, das in unserem weinerlichen Land herrscht: neurotische Selbstverstümmelung als oberster Lebenszweck.


Was haben nun hingegen die USA vor, und wie könnte das funktionieren? Das gegenwärtige Problem ist primär ein Liquiditätsproblem. Viele Institute sitzen auf Papieren, deren Wert nicht exakt bestimmbar ist und für die es keinen funktionierenden Markt gibt. Fast alle dieser Papiere sind immobiliengesichert. Die große Frage ist nun, zu welchem Preis der neue US-Staatsfonds diese Papiere übernimmt. Ich rechne mit einem hohen Diskont. Das heißt, die Finanzinstitute machen Verluste, sind aber sofort wieder liquide und werden es schaffen, diese Verluste abzuschreiben. Der Staat besitzt damit indirekt einen erheblichen Teil des US-Immobilienvermögens. Ist es falsch, dass ein Staat Immobilien in seinem Territorium besitzt? Und wenn es gelingt, sowohl die Finanz- als auch die Immobilienmärkte in der mittleren Sicht zu stabilisieren, werden Papiere, die heute vielleicht zu 40, 50 oder 60 Prozent ihres Nennwertes übernommen werden, vielleicht bald wieder pari stehen. Und die Differenz verbucht der Staat als Einnahme – steuerfrei natürlich ;-)


Wenn man mir die Chance geben würde, Genaueres über die Modalitäten dieses Staatsfonds zu erfahren und mich sogar an diesem Fonds beteiligen zu dürfen, würde ich keinen Moment zögern. Vielleicht hören wir ja bald sogar, dass Warren Buffet sich an diesem Fonds beteiligt. Und ihn vielleicht sogar managt.


Die Amis sind wirklich Teufelskerle. Und gerade als Berliner komme ich hier immer wieder von Neuem ins Staunen und ins Schwärmen. Manchmal muss man die Freiheit tatsächlich mit unfreien Mitteln bekämpfen. Und ich denke, sie werden es auch dieses Mal schaffen. Und wenn wir immer noch im Sumpf unserer selbstanklagenden Untergangswünsche à la Martin Siegel verflochten sein werden, der das deutsche Denken so wundervoll auf den Punkt gebracht hat, wird jenseits des Atlantiks schon längst wieder die Sonne scheinen.


Anregungen oder Kritik bitte an berndniquet@t-online.de">Bernd Niquet.


Quelle: http://www.instock.de/14.1834.0.0.1.0.phtml


 


Gruß, Sascha!

bladerunner

23.09.2008, 16:37 

Ich hoffe ja, dass die Optimisten Recht bekommen.


Sehe es aber weit pessimistischer für die nächsten Monate. Besonders in den USA, drei Gründe dafür im Blogeintrag zusammengefasst:


http://www.sharewise.com/members/show_blog_article/bladerunner?article_id=1301-usa-finanzkrise

HuberSascha

23.09.2008, 17:10 

Hallo bladerunner,


ich habe mir den Blogeintrag durchgelesen und werde nicht so ganz schlau daraus. Punkt 2, der Wahlsieg der Demokraten, wäre aus meiner Sicht eher ein Segen, denn George W. Bush war mit Sicherheit einer der schlechtesten Präsidenten, den die USA je hatten.


Punkt 3, okay, den könnte man als "Vetrauenskrise" bezeichnen und Vertrauen kann man in einigen Wochen oder Monaten wieder herstellen.


Aber glaubst du wirklich, dass sich der erste Punkt wirklich in Monaten bewältigen lässt? Wie soll denn innerhalb weniger Monate das hohe US-Haushaltsdefizit abgebaut werden?


Punkt 1 würde also eher für eine jahrelange Baisse sprechen, Punkt 2 wäre eher positiv und Punkt 3 wäre der einzige, der für eine Lösung der Krise auf Sicht von Monaten spricht...


Ich halte da meine Argumente jedoch für besser und bleibe positiv gestimmt. Und ich sehe die USA auch nicht, wie viele andere "Experten" auf dem Weg in japanische Verhältnisse!


Gruß, Sascha!

bladerunner

26.09.2008, 15:56 (Update)

So schlimm/langdauernd wie in Japan sollte es nicht kommen, denke ich auch. Aber das befürchtete politische Gezerre um den Rettungsplan der US-Regierung hat bereits begonnen.


Momentan ist immer alles immer noch zu unsicher und überall gehen neue Löcher auf - nicht nur in den USA. Zum Beispiel heute die Gerüche um die Fortis-Bank in Europa... ich warte noch ein paar Monate ab (bevor ich mit "richtigem" Geld wieder Aktien kaufe).


Vielleicht bin ich auch zu pessimistisch... ich hoffe es ja selbst :)

HuberSascha

26.09.2008, 16:18 

Hallo bladerunner,


das Problem ist derzeit allerdings auch, dass man mit Shorts sehr schnell sehr viel Geld verdienen kann. Ich shorte eine Bankaktie und streue Gerüchte, sie stehe vor der Pleite. Und Zack, habe ich 25% in 3 Tagen eingesackt, wenn nicht sogar mehr! Ich jedenfalls glaube nicht, dass Fortis wirklich vor einer Pleite steht, aber man kann - da hast du Recht - derzeit nie wissen.


Was den Rettungsplan angeht, so war mir vorher klar, dass es da ein Gezerre geben wird. Vergessen wir nicht, dass in den USA Wahlkampf herrscht. Allerdings hört man derzeit überall, dass besonders die Republikaner eine Einigung derzeit blockieren. So meldete Yahoo! Finance gestern, dass bei einer Probeabstimmung nur ganze vier Abgeordnete der Republikanischen Partei zugestimmt hätten. Und nur darum würden die Demokraten derzeit nicht zustimmen, weil man hinterher nicht allein dafür verantwortlich gemacht werden können wolle, wenn der Rettungsplan doch nicht wie gewünscht funktioniere. Stimmt dass, so muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich noch mehr als bisher darauf hoffe, dass der neue Präsident Barack Obama heißen wird. Denn m.E. ist insbesondere die verfehlte Wirtschaftspolitik des aktuellen Präsidenten einer der Hauptgründe für die Krise.


Ich weiß, dass viele auch Ex-FED-Chef Alan Greenspan als Verursacher der Krise ansehen, aber ich habe kürzlich eine ausführliche Studie renommierter Wirtschaftswissenschaftler gelesen, die klar nachweist, dass die Notenbanken (und zwar allesamt, egal ob FED, EZB oder wie immer sie heißen mögen) mit ihrer Zinspolitik keinerlei Einflüsse auf die Preise von Aktien und Immobilien nehmen können. So besagte die Studie, dass die Notenbank die Leitzinsen auf 15% anheben müsste, was das gesamte Wirtschaftswachstum um 5% schwächen würde, um die Immobilienpreise um 25% zu drücken. Da aber zumindest keine westliche Industrienation wie die USA Wachstumsraten von mehr als 5% aufweist, hat die Notenbank nahezu keinen Einfluss auf die Immobilienpreise. Denn dann müsste sie durch Zinserhöhungen quasi eine Rezession künstlich herbeiführen, was jedoch gegen ihren Auftrag verstoßen würde.


Daher, so die Studie weiter, habe die Notenbank keine Chance die Aktien- und/oder Immobilienpreise durch Leitzinsen zu beeinflussen. Und wenn dem so ist, so kann man auch Herrn Greenspan nicht verantwortlich machen. Wen man aber verantwortlich machen kann, ist durchaus Präsident Bush. Denn diesem wurde von Vorgänger Bill Clinton ein Haushalt übergeben, in dem der Staat große Überschüsse machte. Und anstatt diese Überschüsse dann sinnvoll in die Zukunft zu investieren, senkte Bush damit die Steuern der reichsten Amerikaner massiv, wodurch die Immobilienspekulation noch zusätzlich angeheizt wurde. Ganz abgesehen von den Kosten für das "Abenteuer Irak"...


Gruß, Sascha!

bladerunner

29.09.2008, 15:10 

Wegen dem Shorten: In vielen europäischen Ländern (und den USA bis am 2. Oktober) darf man viele Finanzaktien ja  momentan nicht mehr leer verkaufen - und trotzdem stürzen Fortis, Hypo Real Estate und andere grosse Institute. Die "Kettenreaktion" der letzten Wochen stimmt mich so pessimistisch...

HuberSascha

29.09.2008, 15:51 

Hallo bladerunner,


gerade die letzten Hiobsbotschaften stimmen mich hingegen zuversichtlich, dem Boden nahe zu sein. Wenn alle glauben, das Ende der Welt sei nah, dreht die Börse schließlich immer. Und was das Verbot von Leerverkäufen angeht; dies ist aus meiner Sicht ein absoluter Schmarrn. Wie will man das denn überhaupt kontrollieren? Es gibt doch keine Weltbanken- oder Weltbörsenaufsicht.


Gruß, Sascha!

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