Es waren dann doch nur zwei Stunden, die die konzertierte Leitzinssenkung für gute Börsenstimmung sorgen konnten. Der DAX erklomm dadurch gerade einmal für ein paar Sekunden den Break-Even, um dann wieder abzustürzen.
Am heutigen Donnerstag ist wieder ein jüdischer Feiertag (Yom Kippur) und da die US-Finanzwelt maßgeblich von den Juden bestimmt wird, dürfen wir morgen mit einem leichten Handelsvolumen in den USA rechnen. Das eröffnet die Möglichkeit für extreme Kursschwankungen, als ob dazu in diesen Tagen leichtes Handelsvolumen nötig sei. Aber Sie sollten wissen, dass es am morgigen Freitag möglich ist, dass extreme Kursschwankungen auftreten.
Die Märkte sind dermaßen überverkauft, dass es fast unvorstellbar ist, dass die Börsen weiterhin so einbrechen. Sämtliche Indikatoren (Put/Call-Ratio, Sentiment, Newsletter- Stimmung, Volatilität, ...) sind auf Niveaus, die sie eigentlich gar nicht erreichen dürften, und das schon seit mehreren Tagen. Also sollten wir uns nicht darauf verlassen, dass diese Indikatoren eine Kehrtwende oder vielleicht auch nur eine Gegenbewegung signalisieren, sondern wir müssen weiter mit fallenden Kursen rechnen.
Ich schreibe Ihnen dies, damit Sie im Falle von plötzlich steigenden Kursen am heutigen Donnerstag nicht an das Ende des Crashs glauben. Zu viele Anleger sitzen noch auf ihren Aktien und haben die Schnauze gestrichen voll. Sie warten nur auf einen Tag, an dem der DAX und der Dow Jones im Plus enden, um ihre Positionen aufzulösen.
Letzte Woche führte der jüdische Neujahrstag zu exorbitanten Kursgewinnen bei leichtem Handelsvolumen. Vielleicht passiert heute das gleiche, vielleicht das Gegenteil: Es ist jedoch ein Tag, der nicht signifikant sein und dessen Bewegung am Freitag vermutlich wieder egalisiert wird.
Bedenken Sie: Heute wird es keine weiteren Zinssenkungen geben. Das Pulver ist vorerst verschossen. Stattdessen wird sich schon bald die Erkenntnis durchsetzen, dass es wirklich sehr, sehr schlimm um die Finanzmärkte stehen muss, wenn schon eine konzertierte Leitzinssenkung nicht einmal mehr wirkt. Und dann geht es weiter bergab.
Der spekulative Call auf die Deutsche Bank ist nach einer Stunde ausgestoppt worden. Vorerst gibt es keinen Grund mehr, auf eine Gegenreaktion zu spekulieren - denn es gibt keinen Auslöser. Und das zu erwartende dünne Handelsvolumen in den USA gibt sowohl den Bullen, als auch den Bären die Gelegenheit zu einem Überraschungscoup.
Und noch eins: Lassen Sie sich nicht von Ihren Kollegen locken, zu früh einen DAX Call zu kaufen. Ich erinnere mich noch genau an 2000 bis 2003, wo an jedem Tag nach heftigen Kursverlusten auf die Gegenreaktion spekuliert wurde. Der DAX verlor damals von 8.000 bis auf 2.300 Punkte. Mann, da hat man aber lange auf die Gegenreaktion warten müssen. Da haben viele, die vielleicht noch rechtzeitig ausgestiegen sind, ihre geretteten Gelder verspielt.
In Kooperation mit Sharewise habe ich diese Woche den Goldmarkt analysiert. Es ist eine gute Zusammenfassung der Argumente für Gold als Anlagealternative.
Ich wünsche eine anregende Lektüre.
take share, Ihr Börsenschreibel
Stephan Heibel
Hallo thoem,
es ist mir leider etwas zu einfach, nun alle Schuld auf Alan Greenspan zu schieben, der ja schon lange nicht mehr im Amt ist. Verantwortlich für das Desaster am US-Immobilienmarkt, dass nun die Weltwirtschaft in ihre größte Krise seit 1929 zu stürzen droht, sind nämlich mehrere Personen.
Als Erstes - und das muss man mal so klar sagen - kann sich da auch Ex-US-Präsident Bill Clinton nicht ganz aus seiner Verantwortung stehlen. Denn er hat vor Jahren (ich glaube 1997) die zuvor relativ strengen Kreditvergaberichtlinien für Banken in den USA gelockert. Diese bestanden seit der Weltwirtschaftskrise 1929 und hatten sich eigentlich bewährt. Aber der Traum der Demokraten war es eben, dass auch der "einfache Amerikaner sich sein eigenes Häuschen" leisten können sollte und daher damals aus ideologischen Gründen diese Lockerung.
Als Zweites kommt dann Alan Greenspan ins Spiel. Der hatte nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und wegen der damals prekären wirtschaftlichen Lage in den USA die Zinsen auf ein Rekordtief von nur noch 1% gesenkt. So feuert dieses billige Geld sicherlich die Spekulationsblase am Immobilienmarkt mit an. Aber hier muss man auch mal fragen, ob Greenspan denn überhaupt eine andere Chance hatte? Heute wird er immer gerne als "Herr des billigen Geldes" und damit als Hauptverantwortlicher der Krise beschrieben. Aber das war Greenspan nicht per se! So hatte er mit Leitzinsen von zum Teil über 6% in den Jahren 1999/2000 die damalige Internetblase zum Platzen gebracht. Und Leitzinsen von 6% sind keine niedrigen Zinsen bzw. dies ist keine Politik des billigen Geldes!
Last but not least hätten wir dann nocht George W. Bush, den derzeitigen und noch amtierenden US-Präsidenten. Der hat in seiner 8jährigen Amtszeit den einst von Clinton sanierten Staatshaushalt mit relativ sinnlosen aber dafür umso teuereren Kriegen an den Rand des Abgrunds gebracht. Aber - und das war uns ist viel schlimmer - er hat zudem den eher wohlhabenden Amerikanern vollkommen unnötigerweise auch die Steuern massiv gesenkt. Dies war auf der einen Seite wie geschrieben unnötig, da die Steuern in den USA bereits zuvor relativ niedrig waren und zudem war es auch, wie sich heute zeigt, sehr gefährlich. Denn diese neuen freigewordenen Gelder haben die wohlhabenderen Amerikaner (nicht etwa die armen Amerikaner, die sich zum Teil mit 2 oder 3 verschiedenen Jobs über Wasser halten mussten und müssen) hauptsächlich zur Spekulation am Immobilienmarkt eingesetzt und damit die ohnehin bereits aufgeblasene Bubble am US-Immobilienmarkt noch weiter aufgepumpt. Und so sind nun viele ehemals wohlhabenden Amerikaner eben nicht mehr wohlhabend!
Wenn man sich das alles so betrachtet, so ist Greenspan sicherlich nicht ganz unschuldig an dieser Situation, aber ihn nun zum Hauptverantwortlichen zu machen halte ich für verfehlt. Zumal er sich auch ganz klar - und das obwohl er der Republikanischen Partei von George W. Bush nahestand und nahesteht - ganz klar gegen diese Steuersenkungen von Bush ausgesprochen hatte...
Gruß, Sascha!
PS: Für mich war Alan Greenspan immer ein eher guter Notenbankpräsident, aber nicht etwa der "Magier der Märkte", wie ihn manche Medien immer gerne nannten. Und genauso wie er damals nicht zu "meinem Gott" wurde, ist er für mich jetzt auch nicht der alleinschuldige "Teufel". Ich denke, hier muss man ganz klar differenzieren und kann nicht so einfach alle Schuld an der aktuellen Krise bei einem nicht mehr im Amt befindlichen Alan Greenspan abladen!
Hallo,
Bush und Clinton sind natürlich auch schuldig (Clinton wollte seine Klientel ja auch mit der allgemeinen Krankenversicherung beglücken. Ist voll in die Hose gegangen, wie auch die Sache mit der Kredit-Vergabe-Richtlinie jetzt ja tatsächlich nach hinten los gegangen ist).
Zu Fed und Greenspan: Er hat schon gewusst wie eine vernünftige Geldpolitik aussieht (kann man in seinem berühmten Werk "Gold und wirtschaftliche Freiheit" nachlesen). Und in der Praxis hat er dann doch die Unvernunft walten lassen (ich schmeiss´viel Geld auf den Markt und ihr alle bekommt dafür viele Waren). Ist doch klasse, "Konjunkturankurbelung mit der Notenpresse" hiess das dann. Das macht eine Zeit lang Spass, endet aber wenn man es masslos betreibt in der Regel irgendwann in grosser Ernüchterung.
1971 - Zusammenbruch des Gold-Dollar-Standards und Ankurbelung einer weltweiten Inflation durch die USA. Und stehen wir jetzt 37 Jahre später vor dem endgültigen Ende des Geld-Papiersystems Blog ohne Namen? Nicht nur ich befürchte, dass Paulson bei seinem Bemühen um die Rettung des Aktienmarktes dem Dollar den letzten Todesstoss versetzt. Und dann wäre das Desaster komplett.
Ich denke schon, auch wenn ich damit vielleicht Einigen als Anhänger wirrer Verschwörungstheorien erscheine, dass der Nuscheler Greenspan (er dürfte es getan haben weil es ihm selbst peinlich war was er immer gesagt hat) und Paulson Teil eines langfristig geplanten Komplotts der Wall Street-Finanzelite waren, deren Ziel es war und ist durch das Anheizen wilden Spekulierens in der Bankenszene und das Anpreisen von ABS-Zeitbomben dem in ihren Augen zu gefährlichen Euro als Konkurrent für den US-Dollar als Weltleitwährung den Garaus zu machen.
Man liest jetzt, dass mehrere deutsche Banken Liquiditätsengpässe haben sollen und es erhebliche Abflüsse aus privaten Geldmarkt-Fonds geben soll. Hier könnte jetzt tatsächlich ein Kollaps des Geldmarktes drohen. Die nächsten Tage werden spannend.