Gestern Nachmittag mögen Sie sich beim Blick auf die Aktienindizes verwundert die Augen gerieben haben. Während alle Indizes deutlich im Minus waren, lag der DAX zwischenzeitlich mehrere Prozentpunkte im Plus. Und das obwohl etliche Einzelwerte zweistellig in den roten Zahlen notierten.
Ein Blick auf den einzigen (!) Tagesgewinner im DAX löste das Rätsel auf. Die Volkswagen-Aktie sprang zwischenzeitlich über 200% ins Plus. Zum Handelsschluss waren es immerhin noch +123%. Der mit Abstand höchste Tagesgewinn eines DAX-Wertes aller Zeiten. Dieser reichte aus um den DAX allein ins Plus zu hieven.
Die Gründe für die extremen Kursgewinne bei VW haben wir an dieser Stelle bereits thematisiert. Etliche Shortseller haben aufs falsche Pferd gesetzt – fallende Kurse. Bei steigenden Kursen müssen sie sich nun eindecken und notfalls jeden Preis bezahlen. Das relativ geringe Angebot an frei handelbaren Aktien (70% der Anteile gehören den beiden Großaktionären Porsche und dem Land Niedersachsen) verstärkt diesen Effekt.
Hinzu kam: Gestern gab Porsche bekannt seinen Anteil an VW zuletzt trotz der fundamental durch nichts zu rechtfertigenen hohen Kurse weiter aufgestockt zu haben. Eine faustdicke Überraschung. Ich habe damit gerechnet, dass Porsche damit in Ruhe abwartet, bis sich die Überbewertung abgebaut hat. Aber offenbar fehlt die Geduld. Auf jeden Fall hat die Nachricht einen regelrechten Run auf die VW-Aktie ausgelöst.
VW ist derzeit eine beliebte Spielwiese für Zocker. Aber Vorsicht, die Gefahr sich hier die Finger zu verbrennen, ist extrem hoch. Manch ein Shorti hat gestern Haus und Hof verzockt. Kurzfristig ist die Richtung des Kursauschlags bei diesem Wert einfach nicht zu prognostizieren. Von 100 bis 1.000 Euro ist bei der VW-Aktie in den nächsten Wochen alles drin. Wer solch einen Nervenkitzel sucht, kann genauso gut ins Casino gehen. Wenn ich müsste, so würde ich eher auf fallende Kurse bei VW setzen, allerdings halte ich mich da lieber raus. Dem sollten Sie sich anschließen.
Tagesausblick: Dienstag, 28. Oktober
Egal ob Aktien, Anleihen oder Rohstoffe – in den letzten Wochen purzelten die Kurse überall kräftig. Klar ist: Die großen und kleinen Marktteilnehmer horten Cash – ob freiwillig oder unfreiwillig. Unfreiwillig geschieht dies aktuell bei etlichen Hedge-Fonds. So verlangten im 3. Quartal Hedge-Fonds-Anleger über 200 Mrd. Dollar ihrer Einlagen zurück. Der größte Abfluss, den die Branche je erlebt hat.
Aber das gehortete Geld will irgendwann auch wieder angelegt werden. Die Frage ist – wo? Genau hier sieht mein Kollege Rolf Morrien, Chefredakteur des Börsendienstes „GBT-Eil-Mitteilungen“ eine große Chance für ein Comeback des Aktienmarktes. Lesen Sie im Folgenden einen Auszug aus seiner gestrigen Einschätzung zur aktuellen Entwicklung:
„Die Fondsverkäufe sorgen im Zusammenspiel mit Millionen von Stop-Loss-Orders für einen Kurssturz. Aber genau das macht die Sache auch so schwierig. Das Geld, das jetzt aus den Hedge-Fonds abfließt, wird nicht lange als Cash-Reserve gehalten. Das Geld soll arbeiten. Ein Hinweis darauf: Die Immobilien-Fonds, die sich auf Notverkäufe von Immobilien spezialisiert haben, sammeln in diesen Monaten zweistellige Milliardenbeträge ein. Die „Waffe“ wird wieder geladen. Aber niemand weiß, wann der Startschuss fällt.
Eine Initialzündung könnte von den Notenbanken ausgehen. Es wird nicht mehr diskutiert, ob die US-Zinsen weiter gesenkt werden, sondern wie stark die Zinsen fallen. Immer mehr Marktteilnehmer setzen darauf, dass die Zinsen nicht nur auf das alte Tief von 1% sinken, sondern, dass es sogar Richtung 0,5% geht. Ein solcher Schritt der US-Notenbank würde signalisieren: Wir verleihen das Geld gratis! Der Kreditkreislauf soll um jeden Preis angekurbelt werden.
Ich bin überzeugt: Eine Zinssenkung auf 0,5 bis 1% wird die nächste Spekulationsblase auslösen. Der Fahrplan: Nach der Trendwende erleben wir eine liquiditätsgetriebene Hausse, dann bricht das System wieder zusammen. Es geht wahrscheinlich nur etwas schneller als beim letzten Mal.“
Ich wünsche Ihnen einen erfolgreichen Börsentag.
Sascha Mohaupt
Chefredakteur Investor´s Daybreak
Die Aktie VOLKSWAGEN AG ST notiert in Frankfurt derzeit bei 120,60 €.
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| 11 Mitglieder | Ø 153,64 € | 9 | - | 2 |
| 6 Analysten | Ø 151,33 € | 4 | 2 | 0 |