Sky vs. Liga total! Warum ich in dieser Saison auf Bundesliga live verzichte
Schön, der neue Spielplan der Bundesliga ist raus und der Countdown auf die neue Saison der Bundesliga ist gestartet. In den letzten drei Jahren bestimmte – manchmal zum Leidwesen meiner Frau - häufig die Bundesliga die Gestaltung des Samstag Nachmittags. Dies ist nun vorerst vorbei. Nein, nicht weil meine Frau mit der Scheidung gedroht hat (sie nutzte diese Nachmittag nämlich zum Shoppen, während ich mich mit Werder Bremen gefreut oder geärgert habe), sondern weil es kein auf meine Bedürfnisse abgestimmtes TV-Angebot mehr gibt. So jedenfalls der Stand heute.
Mir ist egal, was sich smarte Berater dabei gedacht haben, als sie empfahlen Premiere in Sky umzutaufen (siehe dazu “Aus Raider wurde Twix und aus Premiere soll Sky Deutschland werden”). Eine Baracke bleibt eine Baracke, auch wenn man sie neu streicht. Mir ist es aber nicht egal, wenn ich eine Leistung in Anspruch nehmen möchte und durch ein Kopplungsgeschäft (im Marketing heißt das Buy-Through-Strategie) gezwungen werden, Leistungen abzunehmen, die ich nicht brauche oder bereits von anderen Anbietern nutze.
Kopplungsgeschäfte liegen vor, wenn ein Kunden vom selben Anbieter zwei oder mehrere Güter abnimmt. Jedoch ist dabei zu unterscheiden, dass allein die Abnahme zweier Güter von selben Anbieter noch kein Kopplungsgeschäft darstellt, sondern es kommt auf das Verhalten des Anbieters an. D.h., erst wenn der Anbieter auf eine bestimmte Weise auf den Abnehmer einwirkt, beide Güter abzunehmen, liegt ein Kopplungsgeschäft vor. Dies gilt erst recht, wenn man Produkt B nur erwerben kann, wenn man Produkte A dazu kauft. In diesem Sinne liegen bei beiden Anbietern für bezahlten TV-Fußball ganz klar Kopplungsgeschäfte vor.
Mit dieser Kopplungsstrategie gehen beide Inhaber von Bundesliga-Senderechten an den Markt. Ich brauche und will hier nicht alle Details der komplizierten Preis und Leistungsmodelle von Sky (zum neuen Preismodell siehe hier) und T-Home darstellen. Bei beiden Angeboten muss man sich verbraucherfeindlich durch Fußnoten oder Kleingedrucktes quälen, um Leistungsumfang und Tarife zu begreifen. Fakt bleibt, dass man zu folgenden Paketen genötigt wird:
1. Preismodell bei Sky (früher Premiere)
- Fußball-Basispaket (1. und 2. Bundesliga) 19,90 Euro im Monat,
- Basispaket von Sky (egal, was darin enthalten ist): 13 Euro
- Summe 32,90 €
2. Preismodell T-Home
- Bundesliga (Laufzeit 12 Monate): 14,95
- Entertain Paket: ab 44,95 (Laufzeit 24 Monate) mit Telefon- und Internet Flat
- Summe 59,90
Insbesondere das Angebot von T-Home enttäuscht entgegen ursprünglichen Erwartungen. Interessierte Kunden, die einen Vertrag bei einem anderen Telefonprovider und/oder bei einem Digitalkabelunternehmen (jeweils mit längerer und natürlich nicht synchroner Laufzeit) haben, können selbst technisch nicht wechseln, weil es nur einen Zugang zum Hausanschluss gibt. Bei unseren Restlaufzeiten (Telefon 9 Monate, Digital-Kabel 20 Monate) würden wir somit Leistungen abnehmen, die wir bereits von anderen Dienstleistern in Anspruch nehmen.
Immerhin: Vorteile hat derjenige, der bereits wieder (oder immer noch) Kunden der Telekom ist und das TV lieber über die Telefonleitung (via VDSL) als über Kabel empfängt.
Ob dies rechtlich fragwürdig sein könnte, wäre eine Frage für Juristen, zumal ich mir das angebotene Gut über keinen anderen Weg beschaffen kann. Im Prinzip nutzen hier also zwei Anbieter jeweils ihre marktbeherrschenden Stellungen aus.
Prinzipiell halte ich wenig von Wettbewerbsklagen und hoffe auf eine Regulierung durch den Markt. Ich kann immerhin meinen Teil zum Funktionieren des Marktes beitragen und die Nachfrage verweigern, denn beide Modelle weichen erheblich von meinen Bedürfnissen ab. Sie zwingen mir Leistungen auf, die ich nicht brauche. So habe ich nun schweren Herzens beschlossen habe, auf die Live Bundesliga zu verzichten. Statt dessen weiche ich wieder auf das Radio aus, gehe bei guten Spielen häufiger ins Stadion. Oder meine Frau kann mich nach dem Shoppen aus der Sportsbar abholen.
Aus unternehmensstrategischer Sicht ist die Strategie der Telekom nachvollziehbar. Das Bonner Unternehmen zahlt vergleichsweise wenig für die Übertragungsrechte per IPTV und sichert sich über diese Strategie mittelfristig mehr Kunden. Und tatsächlich würde ich bei Ablauf unseres derzeitigen Festnetzvertrages den Wechsel zur Telekom erwägen, zumal hier Betreuung und Service deutlich im Plus liegen.
Premiere dagegen wird sich so ins Abseits kicken und spätestens zum Start der Rückrunde nachbessern. Nach Angaben des Handelsblatts zählt Premiere derzeit lediglich 2,4 Millionen Kunden, genauso viele wie vor sieben Jahre. „Drei Millionen brauchen wir, um die Gewinnschwelle zu erreichen“, sagt der neue Vorstandschef Williams, der jüngst aber schon von mehr als sieben Mio. Abonnements geredet hat.
Warum in dieser Woche aufgrund des neuen Preismodells wieder Analysten die Kursziele der Premiere-Aktie nach oben gehoben haben und der neue Chef so optimistisch ist, weiß wohl nur der heiße Sommerwind.
Quelle: Blicklog
sharewise in der Presse
Weitere Artikel
Kommentare
HuberSascha
Hallo Herr Elsner,
ich stimme Ihnen vollkommen zu! Da ich vor einiger Zeit mit Telefon/Internet (u.a. auch VoIP) zur Telekom zurück gewechselt bin, würde das Angebot der Telekom für mich zwar in Frage kommen, allerdings schafft es der Konzern derzeit nicht mir dies hier zur Verfügung zu stellen (mehr als das derzeit vorhandene DSL 2000 geht nicht, da der Netzausbau noch nicht soweit ist). Und was Premiere, pardon, Sky, da abzieht ist eine Sauerei ohne Gleichen und ich denke damit wird der Konzern böse auf die Schnauze fallen. Ich frage mich derzeit, warum diverse Analysten die Premiere, respektive Sky Aktie, zuletzt reihenweise aufstufen mit Kurszielen bis zu 4,40 Euro und der Begründung der Konzern sei eine sehr gute Turn-Around Spekulation. Wissen die mehr als wir? Mit dem jetzt vorgestellten Preismodell jedenfalls wird Premiere/Sky seine ehrgeizigen Ziele ganz sicher NICHT erreichen, sondern eher noch viele Abonnenten verlieren, unter anderem neben Ihnen auch mich... lieber warte ich auf die Telekomiker aus Bonn, irgendwann wird auch deren Netzausbau wohl weit genug fortgeschritten sein!
Gruß, Sascha!









